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Herzogtum Braunschweig ArtikelDie Wurzeln des Herzogtums Braunschweig liegen bei Heinrich dem Löwen (1129-1195), es gehörte damit zu dem Lande der Welfen. 1235 übertrug Kaiser Friedrich II. dem Enkel Heinrichs, Otto dem Kind, den braunschweigischen Besitz. Daraus wurde das später zu dem Reichsfahnlehen erhobene Herzogtum Braunschweig-Lüneburg (1432-1754). Dieses zerfiel durch Erbteilung in verschiedene Teilstaaten, unter denen sich schon in dem 14. Jahrhundert das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel herausbildete, das in dem 15./16. Jahrhundert etwa dem späteren Herzogtum Braunschweig entsprach.
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Bis etwa 1432 hatten die welfischen Herzöge ihre Residenz in Braunschweig, ehe sie, müde vom Dauerstreit mit den stolzen Hansestädtern, ihre Residenz zwölf Kilometer stromaufwärts nach Wolfenbüttel verlegten. Das hier entstandene Schloss der Braunschweig-lüneburgischen Herzöge war - in dem Verbund mit dem der herzoglichen Kanzlei, dem Konsistorium, den Gerichten, und dem Archiv - zur Schaltzentrale eines riesigen Gebietes, von der aus der Wolfenbüttel-Braunschweigische Teil des Gesamtherzogtums regiert wurde. Für lange Zeit unterstanden ihr auch die Fürstentümer Kalenberg-Göttingen und Grubenhagen , das Fürstbistum Halberstadt, große Gebiete des Fürstbistums Hildesheim und die Grafschaften Hohnstein und Regenstein, die Herrschaften Klettenberg und Lohra sowie Teile von Hoya an der Unterweser. Der Bedeutung des Hofes entsprach die Zahl benötigter Handwerker. Für diese, für Bürger und herzogliche Einrichtungen entstanden hunderte von Fachwerkgebäuden, anfangs ungeordnet, später auf herzoglichen Befehl ausgerichtet und brandtechnisch abgesichert. Auf dem Höhepunkt der Stadtentwicklung folgte der Heinrichstadt die Auguststadt in dem Westen und die Juliusstadt in dem Osten.
Die seit dem 15. Jahrhundert bestehende städtische Unabhängigkeit Wolfenbüttels ging verloren als die welfischen Landesherren ihre Residenz ab 1732 und bis 1753 unter Herzog Carl I. nach Braunschweig zurückverlegten. Der Herzog vollzog somit, was Trend war und dabei störte auch nicht, dass der von Hermann Korb 1718 begonnene Schlossneubau am “Grauen Hof� noch nicht fertig war.
Die Auswirkungen auf Wolfenbüttel waren katastrophal, wie an den später entstandenen Fachwerkbauten abzulesen ist. 4 Tausend Bürger folgten der herzoglichen Familie und Wolfenbüttels Bevölkerung sank von ehemals 12 Tausend auf 7.000. Lediglich das Archiv , das Kirchenamt und die Bibliothek blieben als Brücke zurück. Aus Braunschweig vernahm man Spott: Wolfenbüttel sei zu dem "Witwensitz" verkommen. Die weiten Gartenflächen vor den drei Stadttoren (Herzogtor, Harztor, Augusttor) wurden den ehemaligen Gärtnern auf Erbpacht überlassen. Als Folge daraus entstanden Konservenfabriken, welche Wolfenbüttel bis in das letzte Jahrhundert prägten. Vor dem Herzogtor wuchs die Zahl der Gärten, die sich schließlich bis zu dem Lechlumer Holz erstreckten. An dessen Südrand grüßte das 1733 anstelle eines Gartenhauses errichtete Lustschlösschen Antoinettenruh, ein Werk des für Wolfenbüttel so bedeutsamen Baumeisters Hermann Korb . Wolfenbüttel wurde zur Stadt der Schulen, 1753 wurde das Lehrerseminar gegründet, das in dem Waisenhaus begann und späterins Gebäude der heutigen Harztorwall-Schule umzog.
In Carls I. Epoche fallen große Leistungen auf kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet: das Theater wurde gefördert und die Bildung vorangetrieben. 1753 wurde das herzogliche Kunst- und Naturalienkabinett - Vorläufer des Naturhistorischen Museums, gegründet. Die reichhaltigen Sammlungen waren von den braunschweigischen Herzögen zusammengetragen worden war. Gefördert wurde dieses Vorhaben von Abt Jerusalem , den Gründer des Collegium Carolinum . Nicht mehr Wolfenbüttel, sondern Braunschweig erlebte nun eine kulturelle Blüte.
Im August 1784 hielt sich Johann Wolfgang von Goethe in einer politischen Mission in Braunschweig auf, als er als Weimarscher Minister seinen Herzog Carl August begleitete. In einer Situation, in der sich die politische Lage zwischen Österreich und Preußen wieder einmal zugespitzt hatte, planten die deutschen Klein- und Mittelstaaten als ausgleichende Kraft einen Fürstenstaat. Herzog Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig sollte für diesen Fürstenbund gewonnen werden, was am 30.08 dann auch gelang.
Die geheime Mission war als Familienbesuch zur Zeit der Herbstmesse getarnt; das Hofleben bestimmte den Aufenthalt, wohnte man doch in dem Residenzschloss am Bohlweg. Nicht ohne Ironie berichtet Goethe: "was unseren guten Herzog anlangt, so langweilt er sich schrecklich. Er möchte gern Anteil nehmen, möchte gerne was bedeuten. Der streng bemessene Gang des ganzen hiesigen Tuns und Treibens nagt ihn und eine Fee könnte ihm keinen angenehmeren Dienst erweisen, als wenn sie diesen Palast in eine Köhlerhütte verwandelte" (18.08) ... "Wir haben hier allerlei Interessantes erlebt... dafür hat's aber auch lange Sitzungen gegeben in der Oper, an der Hoftafel; zumal die letzteren langweilen mich entsetzlich" (21.08).
1806 wurde Herzog Carl-Wilhelm-Ferdinand als preußischer General in der Schlacht bei Auerstädt tödlich verwundet. Nach kurzem Intermezzo war Braunschweig von 1807 bis 1813 durch die Franzosen besetzt und Teil des Königreiches Westfalen. Nach dem Wiener Kongress wurde es 1814 in den alten Grenzen als Herzogtum Braunschweig wiederhergestellt. Während das Bürgertum in dem industrialisierten England in dem Wohlstand lebte, herrschten hier nach der Missernte 1830 Arbeitslosigkeit, Hunger und große Unzufriedenheit. Carl II hatte die Bevölkerung durch seinen ungeschickten Regierungsstil und sein absolutistisches Gehabe gegen sich aufgebracht, was in einen Volksaufstand mündete: Der oben erwähnte “graue Hof� wurde 1830 von Kleinbürgern , Handwerkern und Arbeitern gestürmt und eingeäschert, Carl II. blieb ca. die Flucht in die Schweiz - in dem Gepäck Kunstwerke von unschätzbarem Wert. In Braunschweig konnten Recht und Ordnung derweil ca. durch die von Ratsherr Wilhelm Bode gegründete Bürgerwehr aufrecht erhalten werden. Herzog Carl II. wurde in Abwesenheit für regierungsunfähig erklärt, die Regentschaft wurde seinem jüngeren Bruder Wilhelm (dem zunächst letzten Mitglied der Welfischen Linie) übertragen. Unter diesem unverheiratet regierenden Herrscher durchlebte es bis 1884 eine Neutralitätsphase als kleiner Staat, der weder Österreich noch Preußen verbündet war. Sein Nachfolger wurde dann auf Bestreben Preußens nicht ein Welfischer Hannoveraner (Herzog Ernst August von Cumberland war ausersehen), sondern Prinz Albrecht von Preußen: das Herzogtum stand bereits seit dem Deutschen Krieg von 1866 bis 1911 unter der Verwaltung des Königreichs Preußen.
Später kommt es zur Aussöhnung zwischen Welfen und Hohenzollern, ausgelöst durch die Hochzeit am 24.05 1913 zwischen Viktoria Luise, der Tochter Kaiser Wilhelms II. und Prinz Ernst August von Hannover. Es wird also noch einmal ein Welfe zu dem Herrscher. 1918, am Ende des Ersten Weltkrieges dankt der Braunschweiger Herzog ab (Novemberrevolution). Das Herzogtum Braunschweig wird später zu dem Freistaat (siehe hierzu auch Braunschweig).== Regentschaften ==
- 1252 Otto das Kind (Enkel Heinrichs des Löwen)
- Albrecht I., (1236-1279) gefolgt durch dessen ältesten Sohn
- Heinrich der Wunderliche (1267-1322), ältester Sohn seines Vorgängers Albrecht ).; Heinrich begründete die Linie Grubenhagen
- 1345 trennen sich Göttingen und Braunschweig. Braunschweig geht an Albrechts des Fetten Sohn Magnus, der es seinem kriegerischen Sohn Magnus II. hinterließ
- 1373 Magnus II. (Torquatus) (unter ihm begannen die Lüneburger Erbfolgekriege; sie wurden fortgesetzt durch seine Söhne Friedrich und Bernhard). Nach dem Mord an Friedrich bei Fritzlar in dem Jahr 1400 kommt es zur gemeinsamen Regierung von
- 1400 - 1473 Bernhard und Heinrich; letzterer begründete das mittlere Haus Braunschweig, das sich zunächst seine Neffen Wilhelm und Heinrich teilten=== Herzogtum Braunschweig-Lüneburg (1432 - 1754) ===
- 1514 Heinrich I., der Friedfertige (1491-1514)
- 1514 - 1568 Heinrich der Jüngere, (1489-1568) - unter ihm kommt es zu dem Umbau der mittelalterlichen Burg in ein Schloss; er ist leidenschaftlicher Gegner der Lutheraner, und Seele des gegen den Schmalkaldischen Bund gerichteten Katholischen Bündnisses; die Enterbung seines dritten Sohnes konnte nicht durchgesetzt werden:
- 1568 - 1589 Julius zu Braunschweig-Lüneburg, (ein großer Bauherr der Stadt, der aus der Festung die erste planmäßig angelegte Renaissancestadt-Anlage schafft; er gründet 1572 die Bibliothek, deren heutiger Name auf ihren bedeutendsten Sammler, Herzog August den Jüngeren, zurückgeht; auch gründet er 1576 die Universität in Helmstedt und errichtet das Schloss Hessen ; die Bastionen aus den Anfängen des 16. Jh läßt er zur Festung verstärken; erwarb Kalenberg, Göttingen und Diepholz; Julius war ein Protestant;
- 1589 - 1613; Heinrich Julius - es war die Zeit kultureller Blüte Wolfenbüttels; Heinrich Julius war Bischof von Halberstadt, Rektor der Universität Helmstedt, Präsident des Hofgerichts, Alchimist, Jäger und Schriftsteller;
Die Wolfenbüttler Linie des mittleren Hauses Braunschweig stirbt 1634 aus. Übergang auf den älteren Zweig des Hauses Lüneburg
- 1635 - 1666 August der Jüngere zu Braunschweig-Lüneburg (1579-1666) - er bezieht 1643 die Residenz Wolfenbüttel, ist Gründer eines Barocktheaters und der Bibliotheca Augusta
- Rudolph-August (1666-1704) - schlug nach Berichten von 1677 einen Weg durch das Lechlumer Holz, den “Alten Weg�, die spätere “Barockstraße� zwischen dem Lustschloss “Antoinettenruh, über das Barockschlösschen [späteres Sternhaus] bis zu dem Großen Weghaus Stöckheim; 1671 eroberte er die Stadt und Festung Braunschweig)
- 1666 - 1685 Rudolf August (?-1704)
- 1685 - 1714 Anton Ulrich (1633-1714) - Anton Ulrich war Politiker, Kunstfreund und Dichter; Begründer des nach ihm benannten Museums in Braunschweig; er errichtete das Schloss Salzdahlum)
- 1731 August Wilhelm (1662-1731)
- 1731 - 1735 Ludwig Rudolph
Die Linie Wolfenbüttel stirbt aus; Übergang auf Nebenlinie Braunschweig-Bevern
- 1735 - 1780 Carl I. - Gründung des Collegium Carolinum in Braunschweig, der Porzellanmanufaktur Fürstenberg, der Brandkasse; 1753 wird die Residenz nach Braunschweig verlegt
- 1780 - 1806 Carl-Wilhelm-Ferdinand (1735-1806) - er war Anführer des preußischen Heeres; stirbt in der Schlacht bei Jena; da sein Sohn, der Erbprinz früh gestorben ist, zwei andere Söhne jedoch nicht regierungsfähig waren, traf es seinen jüngsten Sohn:
- 1806 - 1807 Friedrich Wilhelm (1771-1815); Herzog von Oels/Schlesien , "der schwarze Herzog"; er heuerte beim Ausbruch des österreichisch-französischen Krieges 1809 in Böhmen ein Freicorps, die “schwarzen Husaren�an und bahnte sich seinen Weg über Braunschweig zur Nordsee.
- 1807 - 1813 von den Franzosen besetzt (Königreich Westfalen)
1814 Neugründung als:
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Herzogtum Braunschweig (1814-1918) | |
Das Herzogtum Braunschweig bestand aus mehreren, nicht zusammenhängenden Teilen: das Gebiet zwischen Aller und Harz mit Braunschweig, das Gebiet zwischen Harz und Weser mit Holzminden, Blankenburg am Harz mit seiner Umgebung, das Amt Calvörde (eingeschlossen von der Provinz Sachsen), das Amt Thedinghausen zwischen Bremen und Verden gelegen, der Flecken Bodenburg mit dem Dorf Oestrum (Amt Gandersheim), das nördlich von Goslar gelegene Dorf Ostharingen (Amt Lutter am Barenberge), das südlich von Peine gelegene und zu dem Amt Vechelde gehörende Dorf Oelsburg.
Das Herzogtum bestand aus den folgenden Kreisen:
- Braunschweig (Stadt Braunschweig, Ämter Riddagshausen, Vechelde und Thedinghausen),
- Wolfenbüttel (mit Wolfenbüttel (Amt und Stadt), Ämter Schöppenstedt, Salder und Harzburg),
- Helmstedt (Ämter Helmstedt, Schöningen, Königslutter, Vorsfelde und Calvörde),
- Gandersheim (Ämter Gandersheim, Seesen, Lutter a. Bbge. und Greene),
- Holzminden (Ämter Holzminden, Stadtoldendorf, Eschershausen und Ottenstein),
- Blankenburg (Ämter Blankenburg, Hasselfelde und Walkenried)
(Quelle (http://www.deutsche-schutzgebiete.de/herzogtum_braunschweig.htm))
Die Regenten des Herzogtums Braunschweig:
1918 mit der Novemberrevolution entstand vorübergehend eine “sozialistische Republik”.
Am 6.01 1922 erhielt Braunschweig als Freistaat eine neue demokratische Verfassung.
1931 entstand eine bürgerliche Regierung unter Beteiligung der Nationalsozialisten (Minister Klagges).
Die ehemalige preußische Provinz Hannover wurde 1946 durch die alliierten Mächte zu dem Freistaat erklärt, bevor sie wenige Monate später mit Teilen der ehemaligen Herzogtümer Braunschweig und Oldenburg sowie dem ehemaligen Fürstentum Schaumburg-Lippe zu dem Bundesland Niedersachen zusammengelegt wurde; Teilstücke gingen dabei auch an das heutige Bundesland Sachsen-Anhalt.
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Schicksal des Schlosses: Abbruch und Rekonstruktion | |
Der prunkvolle Ottmerbau des Schlosses wurde während des Krieges zerstört und 1960 nach einem äußerst umstrittenen Ratsbeschluss und aufgrund einer hauchdünnen Parteienmehrheit abgerissen. Dabei ließ man beim Portikus - in dem Gegensatz zu den anderen Teilen - Rücksicht walten: er wurde vorsichtig zerlegt, nummeriert und in einer Grube am Madamenweg eingelagert. Herausragende Teile wie Reste von Figuren wurden auf dem städtischen Bauhof an der Ludwigsstraße verwahrt, Säulenkapitelle bildeten den Rahmen eines Wasserbeckens in dem späteren Schlosspark. Der Rest wanderte auf das Gelände des Kleingartenvereins Holzenkamp am Madamenweg, wo sie eine Grube mit 45 x 30 Metern füllen.
Derzeit gibt es Pläne, drei Fassaden des Schloss in dem Zuge des Baus eines Einkaufszentrums “Schloss - Arkaden� zu rekonstruieren, wofür in dem März 2004 vier Parzellen des Gartenvereins vorübergehend weichen mussten. Die Fassaden werden 116 Meter breit, mit der Quadriga 40 Meter hoch und an den Seitenflügeln 60 Meter tief sein. Neben Verkaufsräumen soll der Schlossfassadenbau evtl. Abteilungen der Braunschweiger Museen, Standesamt und Öffentliche Bücherei beherbergen.
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